Manifest

zur Audioversion

Bis hierher und nicht weiter!

Viele Menschen fragen sich weltweit, wie soll das Alles weitergehen? Aktienmärkte, Finanzakteure und Konzerne entscheiden über das Schicksal ganzer Länder und diktieren Regierungen ihre Politik. Was hat das noch mit Demokratie zu tun? Die Bürger fühlen sich entmündigt. Sie empfinden die Demokratie nicht länger als Herrschaft des Volkes, sondern als Herrschaft über das Volk.

Die Illusion vom ewigen Wachstum suggeriert Sicherheit und Wohlstand für alle.
Doch die sich immer weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich beweist das Gegenteil. Währenddessen jagt eine Finanzkrise die nächste potentielle Wirtschaftskrise und diese treiben nervös gemeinsam die Staatsschuldenkrise vor sich her. Für die Beruhigung der Märkte wird gesorgt – das scheint das Wichtigste – die Nöte und Existenzängste der meisten Menschen spielen keine Rolle. „Wenn es den Kaiser juckt, so müssen die Völker sich kratzen.“ (Heinrich Heine, geb. 1797 in Düsseldorf).

Überhaupt dominiert die Ökonomisierung und die entsprechende materialistische Wertgrundlage alle Bereiche unseres Lebens. Nicht wenige Menschen haben den Eindruck, als seien sie nur noch eine Ziffer in einer Kosten-Nutzen-Rechnung.
Von Werten wie Mitmenschlichkeit und Solidarität, Integrität, Vertrauen und Ehrlichkeit ist keine Rede mehr. Stattdessen haben sich Wörter wie Konkurrenz, Gewinne, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit fest in unsere Köpfe eingebrannt. Dabei haben verschiedenste Kulturen über Jahrhunderte Werte und Normen bis hin zur allgemeinen Erklärung der Menschenrechte entwickelt – unsere Grundlagen für ein friedliches und faires Zusammenleben. Doch die Reduktion des Menschen auf seinen Nutzwert pervertiert all das. Wir haben es im Land der Dichter und Denker mit einer intellektuellen und emotionalen Heimatlosigkeit zu tun, die in der Geschichte ihres gleichen sucht.

Stopp! Menschen haben erkannt, das Anliegen der Welt zu ihrem eigenen zu machen, Mitmenschlichkeit und Verantwortung ernst zu nehmen.

Wenn wir uns gegen Diktaturen auflehnen, für mehr Gerechtigkeit innerhalb unserer politischen und gesellschaftlichen Strukturen protestieren, wenn wir uns für Umweltschutz einsetzen, vereint uns trotz aller kultureller und sozialer Unterschiede Eines: Für uns ist die Zeit des geduldigen Hinnehmens all der politisch und wirtschaftlich gewollten Ungerechtigkeiten vorbei. Nichts ist alternativlos! Das nennt man Revolte – innerliche Auflehnung und Empörung gegen herrschende Zwänge, Einsicht in die eigene Verantwortung und Aufzeigen der klaren Grenze. Bis hierher und nicht weiter! Hier und Jetzt! Für die Gegenwart und für die Zukunft! Und genau das werden wir friedlich aber deutlich auf den Straßen demonstrieren! Bis sich was ändert.

Doch Protest ist nur der Anfang.

Wir, Occupy Düsseldorf, haben uns weltweit mit anderen Menschen vernetzt. Wir stammen aus allen Schichten und Altersgruppen.
Wir sind viele und wir sind verschieden. Aber wir sind bereit Verantwortung zu übernehmen, den Wandel aktiv zu gestalten und uns zu engagieren.
Unser Anliegen ist es, die Menschen in unserer Umgebung zu motivieren, mutig und beherzt die Herausforderung eines langandauernden, stetigen Wandels mit allen Höhen und Tiefen anzunehmen. Mächtige und Herrschende haben Demokratie nie freiwillig gewährt. Demokratie lebt nur durch uns Bürgerinnen und Bürger;- von unserer Bereitschaft, uns als Individuum einzubringen, uns aber auch von Fall zu Fall der Sache und der besseren Argumente wegen zurückzunehmen. So stärken wir die Basis der Demokratie, können als BürgerInnen selbstbestimmt, frei und verantwortlich auf steile Hierarchien verzichten.
Ohne uns BürgerInnen ist eine Demokratie nichts.

Gemeinsam suchen wir Strategien und Lösungen, die frei von Feindbildern und frei von allem menschenverachtendem Gedankengut sind.

Das Lesen, Verinnerlichen und Umsetzen der Menschenrechte ist für uns selbstverständlich. Deshalb dulden wir keinesfalls menschenverachtendes Verhalten. Rassismus, Nationalismus, Sexismus, Diskriminierung und autoritäre Herrschaft hat bei uns keinen Raum.
Unsere Stärke liegt in unserer Unabhängigkeit von Verbänden, Parteien und sonstigen Institutionen bei gleichzeitiger Solidarität und Vernetzung mit Menschen weltweit.
Möglichst viele Ideen und Kreativität werden so gebündelt und Lösungen können gemeinsam erarbeitet werden. Wir wollen, dass dieses menschliche gestalterische Gut sich wieder frei entfaltet und nicht durch scheinbar alternativlose Sachzwänge verkümmert oder gar unterdrückt wird.

Wandel ist ein Prozess, in dem sich Forderungen und Lösungen entwickeln. Jeder Mensch hat eine Stimme.

Wir liefern keine fertigen Lösungen.
Wir rufen jeden Einzelnen auf, seine Ideen im Sinne ethischer Grundprinzipien zu formulieren und sein Recht auf Mitbestimmung wahrzunehmen. Machen Sie mit. Formulieren Sie das was Sie bewegt, beunruhigt oder das, was Sie konkret geändert haben möchten. Geben Sie der Bewegung ein Gesicht!

Artikel 21 Abs. 1 der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“:
Jeder hat das Recht, an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten seines Landes unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter mitzuwirken.

Occupy Düsseldorf, für

Würde, Leben, Unversehrtheit, Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit!

__________________________________________________________


Herunterladen: hier