Redebeitrag zur #13O – Demonstration in Düsseldorf

by   18:12 , 23. Oktober, 2012 Kommentare deaktiviert
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Ich stehe hier, weil ich kein Vertrauen mehr in unser System habe.

- Ein System, in dem wir nur noch Schafe sind, die durch gebetsmühlenartig vorgetragene Mantras, wie „sozial ist was Arbeit schafft!“ einsehen sollen, dass ein oder mehrere Minijobs immer noch besser sind als kein Job. Ob wir gedemütigt werden, davon auch selbstständig existieren oder für Lebensrisiken wie Krankheit und Alter vorsorgen können, steht gar nicht zur Debatte.
Nicht selten helfen die Medien durch falsche, einseitige oder mangelnde Informationen, damit wir einerseits brav folgen und uns andererseits ruhigstellen lassen.

- Ein System, dass sich zwar demokratisch nennt aber von Volksvertretern gelenkt wird, denen die Nähe zu und damit auch die Ahnung von den Bedürfnissen ihrer Wähler abhanden gekommen zu sein scheint. Stattdessen scheinen sie sich in der Nähe von Wirtschafts- und Finanzleuten viel wohler zu fühlen.
Das wäre ja nicht weiter schlimm, hätte ich nicht auch den Eindruck, dass der gemeine Spitzen-Politiker von heute vorrangig Anliegen der Wirtschaft bedient, statt die der Menschen, – für deren Interessenvertretung er ja eigentlich abgestellt, gewählt und bezahlt wird.
– Und – dessen Stellenbeschreibung, der politische Auftrag im Grundgesetz klar geregelt ist.

Was meint ihr was euer Chef mit euch macht, wenn ihr eure Stellenbeschreibung nicht kennt, geschweige denn eure vom Boss vorgegebenen Aufgaben nicht erfüllt?
Ja, wenn ihr ihn hintergeht und sein Unternehmen obendrein fast in den Ruin treibt?

Richtig, er schmeißt euch raus, verklagt euch womöglich und genau das würde ich am liebsten auch mit unseren Politikern machen.

Hätten die Regierungen der vergangenen Jahre wenigstens darauf geachtet, dass im Rahmen ihrer Arbeitsmarktreformen, Wettbewerbs- und Privatisierungsorgien von den Gewinnen der Unternehmen wieder etwas zurück in die Gesellschaft fließt und hätten sie wenigstens auf gerechtere Verteilung der Lasten und Gewinne geschaut;- aber genau das haben die Regierungen nicht getan!

Warum eigentlich nicht?
Stellenbeschreibung nicht kapiert?
Oder einfach nur keinen Arsch in der Hose, um sich gegen Lobbyisten durchzusetzen?
Oder einfach nur zu satt, zu faul, womöglich zu korrupt, zu machtgeil – oder was?

Unsere Regierungen haben frei nach dem Motto: „Mehr Freiheit wagen!“ klammheimlich den Gesellschaftsvertrag aufgekündigt, uns sozusagen zwangsentsolidarisiert und die Unternehmen großzügig von ihrer gesellschaftlichen Verantwortung befreit.
Die Wirtschaft und ebenso wirklich sehr reiche mächtige Menschen, können soziale, gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, wenn sie wollen, sie müssen es aber nicht. Und… tun sie es?

Viel zu Viele von ihnen tun es natürlich nicht freiwillig und wir, die Meisten, bekommen die Auswirkungen überall zu spüren:
- am Arbeitsplatz, im Studium, wenn wir uns die Schulen unserer Kinder ansehen, einen Kitaplatz brauchen, wenn wir an unsere Rente denken, unsere Eltern im Seniorenheim besuchen, wenn wir  als Patient plötzlich selbst zahlender Kunde sein sollen, bei den Krankenkassen um eine Behandlungen betteln müssen, uns wundern weil wir immer mehr Überwachungskameras aber immer weniger Polizisten haben, wenn wir plötzlich arbeitslos werden, uns fragen ob wir es überhaupt schaffen eine Familie zu gründen, durchzubringen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, da wir ja ohne schon kaum Zeit für Freunde haben oder wenn wir zum Äußersten schreiten und uns fragen:

„Macht das Alles überhaupt noch einen Sinn?“

Die Weichen stehen auf Gewinnmaximierung, Kostenreduktion und vor allem Wettbewerb, ja selbst zwischen Euch, die ihr da steht und Euch vielleicht bereits fragt, ob der ewige Wettlauf sich überhaupt lohnt und die Sache mit der Ellenbogengesellschaft wirklich so eine gute Idee ist.

Wollen wir wirklich so leben?
Jeder ist sich selbst der Nächste, der Stärkere – Mächtigere gewinnt?
Fressen und gefressen werden? Wie lange wollen wir denn noch den Druck aushalten?
Und das Ganze nur, damit Unternehmen in Europa herumziehen, um möglichst günstig investieren und auf möglichst billige Arbeitskräfte zugreifen können? Damit der Staat die Schulden angeblich abbezahlen kann, obwohl dies tatsächlich gar nicht möglich ist? Schulden, die wir, Ihr und ich, gar nicht gemacht haben?  Oder haben wir den Handel mit obskuren Wertpapieren eingeführt? Haben wir die Regeln für die Finanzmärkte aufgehoben, Finanzblasen platzen lassen und deshalb Staaten ins wanken gebracht? Haben wir etwa die Agenda 2010 geschrieben oder uns gar korrumpieren lassen?

… raus mit der Sprache, wer von Euch hat die 2 Billionen Schulden gemacht? ;-)
Also ich nicht!!!

Na also:
Lasst uns laut sein, sodass die anderen uns hören.
Lasst uns allen sagen:
„Wir folgen der menschenverachtenden Ideologie unserer sog. Repräsentanten nicht, die keine Rücksicht auf unsere Verluste nehmen, die Sozialausgaben kürzen, sich den Märkten unterwerfen, Spardiktate auferlegen, das Eigentum über Menschenrechte stellen, Kritiker als Verfassungsfeinde bezeichnen, Waffen produzieren lassen und sich an Kriegen beteiligen!“

Lasst uns sagen:
„Wir sind nicht einverstanden mit egoistischen Herrschafts- und Besitzansprüchen, die zur Entmenschlichung unserer Gesellschaft, zur Institutionalisierung von Gewalt in Staaten und zur gewissenlosen Ausbeutung der Schwächeren und der Umwelt führen.“

Lasst uns darüber reden, wie die Ausweitung der Märkte an Börsen und in Hinterzimmern die Menschen auf der ganzen Welt zunehmend auf ihren kommerziellen Nutzen reduziert.

Lasst uns darauf hinweisen, was Gier in Unternehmen mit ausgebeuteten Menschen anrichtet, wie sie uns krank machen und vergiften, Hauptsache die Aktionäre machen Gewinn.

Und lasst uns endlich wütend werden, gemeinsam aufstehen und sagen:

Wir machen bei der Aufrechterhaltung des Unrechts nicht mehr mit!
Wir fahren die Ellenbogen weder im Job noch sonst wo zu Gunsten kurzsichtiger Konzerne und machthungriger Geldgeiler aus!
Wir konsumieren weder weiter sinnlos Waren bis der Arzt kommt, noch lassen wir uns von den Medien das Hirn vernebeln!
Wir lassen uns nicht länger vom Staat mit Hilfe diverser Medien für dumm verkaufen!

Brot und Spiele das war gestern – Für uns gilt ab heute:

Wir fahren die Ellbogen aus und wir nehmen friedlich den Kampf auf; aber für eine faire und solidarische Gesellschaft!

„Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“

 

Ein Beitrag von Angelika & Ben

 

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